„Nation ehren„. Das formuliert Herr Dr. Weimer als 4. Gebot für den aufrechten Konservativen (in: „Das konservative Manifest“). Dabei geht es ihm nicht nur um den verfassungskonformen Begriff der Nation, sondern „zugleich“ auch um den völkischen – und er beruft sich auf Cicero.
Weimer schreibt:
„Die ‚patria civitatis‘ (das staatsbürgerliche Vaterland) steht für den Konservativen neben der ‚patria naturae‘ (dem natürlichen Vaterland), um auf die Begrifflichkeit Ciceros zurückzugreifen, die Nation wird als offene Gemeinschaft von freien Staatsbürgern verstanden, zugleich aber auch als eine in sich geschlossene kulturelle Abstammungsgemeinschaft.“
Zugegeben, ich habe in meinem Leben erst wenige Sätze von Cicero gelesen, und das auch nur unter schulischem Zwang vor Jahrzehnten. Trotzdem kommen Zweifel auf. Und was hilft bei Zweifeln? Einfach fragen:
„Meint Cicero mit ‚patria naturae‘ eine in sich geschlossene, kulturelle Abstammungsgemeinschaft?“
Unterschiedliche Large Language Models antworten übereinstimmend und unmissverständlich:
„Nein“
chatGPT sucht auf Wunsch sogar die einschlägigen Textstellen heraus und wir erkennen: Mit „patria naturae“ meint Cicero die emotionale Verbundenheit mit den Orten, an welchen die Spuren derer präsent sind, die wir lieben und bewundern. Nichts von „in sich geschlossen“ oder „Abstammung“.
Hier scheint also Dr. Wolfram Weimer zu halluzinieren und nicht die Künstliche Intelligenz. Aber, halluziniert er wirklich? Hat er die Schriften Ciceros gar nicht gelesen oder nicht richtig verstanden? Das wäre noch die sympathischere Annahme. Oder aber ist Herr Dr. Weimer sehr wohl mit Ciceros Patria-Begriff vertraut, spannt diesen großen Denker der Antike aber trotzdem – wider besseres Wissen – vor seinen rechts-populistischen Karren? Das wäre demagogisch.
Sieht man die zitierte Passage im Gesamtzusammenhang des Buches, wird es nicht besser: Intellektuell aufgeblasener Rechts-Populismus für Besserverdiener.





